Archiv für Management

Die Mäuse-Strategie angewandt: Appartements Santé in Heiden AR

Die Mäuse-StrategieDie Mäuse-Strategie ist ein kleines Buch von Spencer Johnson. Es geht um Veränderungsmanagement (Change Management) und gehört zu den absoluten Musts für jeden. Nur 116 Seiten und gross geschrieben. Nun zur Story:

Seit 32 haben meine Eltern ein Hotel in Heiden. Seit 32 Jahren leben meine Eltern von den Gästen, die im Haus übernachten, sei es für eine Nacht oder mehrere Monate. Seit 32 Jahren hören meine Eltern auf die Kundenwünsche und entwickeln das Business Modell weiter, ohne je stehen zu bleiben. In diesen 32 Jahren wurde das Haus 3x mal umgebaut und auf die neuen Bedürfnisse ausgerichtet. Heute betreiben meine Eltern das Haus mit einem Konzept, das einzigartig in der ganzen Region ist. Aber fangen wir vorne an:

Hotel Garni Santé (1976 – 1983) ohne WC/Dusche

1976 übernahmen meine Eltern das bestehende Hotel Garni Santé. Ich kann mich gut an den Umzug erinnnern. Wir boten nur Zimmer mit Frühstück, kein Mittag- oder Abendessen. Wir hatten 13 Zimmer und 20 Betten. 3 Zimmer hatten ein eigenes WC/Bad zum Preis von CHF 35.- pro Nacht. 8 Zimmer hatten ein Lavabo (= Waschbecken) und ein Stockwerk Bad und WC zum Preis von CHF 25.- pro Nacht. Die Zimmer ohne eigenes Bad/WC liessen sich viel einfacher vermieten, als die Zimmer mit Bad. Es war den Kunden zu teuer und das tägliche Duschen war noch nicht üblich.

Hotel Garni Santé (1983 – 1995) mit WC/Dusche

Gegen 1980 änderten sich die Wünsche und die Zimmer mit eigenem WC/Bad wurden viel mehr nachgefragt, während die Zimmer mit Stockwerkbad unvermietbar wurden. Die Auslastung fiel auf 30%.

1983 bauten wir das komplette Haus um. Wir waren eines der ersten Hotels in der Region, die jedes Zimmer mit eigener WC/Dusche austattete. Die Anzahl Zimmer blieb mit 13 und die Zahl der Betten mit 20 gleich, obwohl jedes Zimmer nun seine eigene WC/Dusche hatte. Nur so konnten wir das Hotel wieder rentabel führen. Es kamen die goldenen Jahre, da mit der Rosenbergklinik, vor allem dank dem Augenarzt, die Zahl der Gäste sich in Heiden vervielfachte. Wir erreichten die traumhafte Auslastung von 90%.

Apparthotel Santé (1995 – 2004)

1989 ging der Augenarzt nach Österreich. Ab 1991 reduzierte sich der Tourismus in der Region massiv und unser Hotel leerte sich wieder. Wir suchten Alternativen und realisiersten das Ferienwohnungen vor allem in Wintersportorten mehr Leistung (Kochnische) zu einem besseren Preis (günstiger, da weniger Service) boten und auch in der Region mehr Ferienwohnung aus dem Boden schossen. Der Low-Cost Tourismus wurde populär.

1995 (1.5 Jahre nach Einreichen der Bewilligung) bauten wir die Zimmer in Wohnungen bzw. Studios um. Trennwand zwischen 2 Zimmern raus, eine der beiden WC/Duschen durch Kochnische ersetzen, und fertig waren 7 Ferienwohnungen und 12 Betten statt 13 Zimmern und 20 Betten. Ferienwohnungen haben tiefere Kosten, so dass wir dank tieferen Fixkosten schneller rentabel waren. Wir konnten die Auslastung wieder auf 80% steigern und hatten die Krise überwunden.

Appartements Santé (2004 bis heute)

Ab 2002 wurden Ferienwohnungen immer weniger nachgefragt und wir hatten vereinzelt Wohnungen über mehrere Monate fest vermietet.

Wir sahen die Zukunft in diesen festen Vermietungen und hatten Glück, das 2004 die Zonenordnung in Heiden angenommen wurde und wir das Haus nicht mehr reinen touristischen Zwecken unterzuordnen hatten. Wir setzten das 2-Säulen Konzept um:

  • einerseits möblierte Wohnungen ab 2 Monaten Miete mit kurzer Kündigungsfrist und zweiwöchentlicher Reinigung inklusive für Dauermieter.
  • andererseits eine Ferienwohung mit mittlerem Standard, die wir 2005 aus dem Gemeinschaftsräumen im Parterre bauten.

Die Kunden kommen hauptsächlich über unsere Homepage, die wir für Feriengäste in 4 Sprachen führen. Wir versuchen die Wünsche unserer Kunden zu erfüllen und bieten heute z.B.:

  • Wäscheservice mit Aufpreis
  • Gratisparkplatz
  • Briefkasten
  • Internetzugang mit Aufpreis

Wir erreichen heute eine Auslastung von 80% und sind mit dem Geschäftsgang sehr zufrieden.

Was hat da nun mit der Mäuse-Strategie zu tun?

Etwa alle 10 Jahre ging uns der Käse aus und wir hatten die Wahl zu warten, bis der Käse wieder kommt (was er sowieso nicht macht) oder uns der Veränderung zu stellen und einen neuen Käsevorrat zu suchen.

Also 2015 ist es wieder soweit und ein neues Konzept wird fällig. Vielleicht ist es dann Zeit für eine Kommune, wie in den späten 60igern.

Bruno

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Buchtipp am Freitag: The Trusted Advisor

The Trusted AdvisorVor ein paar Tagen habe ich die Vertrauensformel im Blog erwähnt. Das Buch „The Trusted Advisor“, übersetzt der Berater des Vertrauens, ist die Quelle dieser Formel. Die Autoren zeigen auf, was der Unterschied zwischen einem normalen Berater und einem Berater des Vertrauens ist. Der Berater des Vertraues achtet in erster Linie auf das Wohl des Kunden. Um das Vertrauen des Kunden zu gewinnen, hilft dieser Prozess:

  1. Engaging (Dabei sein)
  2. Listening (Zuhören)
  3. Framing (Strukturieren)
  4. Alternate Reality (Alternativen zeigen)
  5. Commitment (Verpflichtung)

Ich habe das Buch leider noch nicht gelesen und es liegt auf meinem Nachttisch. Aber Getabstract liefert eine sehr gute Zusammenfassung.

  • Taschenbuch: 224 Seiten
  • Verlag: Free Press; Auflage: New Ed (2. Januar 2002)
  • Sprache: Englisch
  • ISBN-10: 0743207769
  • ISBN-13: 978-0743207768
  • Link zu Amazon

Viel Spass

Bruno

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Vertrauen als Formel?

Beim Vortrag von Gunter Dueck bin ich auf die Formel für Vertrauenswürdigkeit gestossen. Die lautet:

Vertrauenswürdigkeit = (Glaubwürdigkeit+Zuverlässigkeit+Vertrautheit)/Selbstorientierung

Beispiel: mein Verhältnis zu meinem Vermieter der Familie Schwarzenbach

  • Glaubwürdigkeit: ich sage, wenn etwas nicht stimmt, ohne es zu übertreiben: 6
  • Zuverlässigkeit: ich zahle pünktlich die Miete: 9
  • Vertrautheit: ich wohne seit 2 Jahren hier und mit fast allen per Du: 8
  • Selbstorienterung: ich versuche nicht zuviel Lärm zu machen und feiere selten zuhause: 4
  • Ergibt nach obiger Formel: (6+9+8)/4=knapp 6

6 ist nicht unbedingt ein Superwert. Ich müsste weniger Selbsorientierung haben, z.B. ne 2 da haben, so hätte ich eine 12.

Der stärkste Hebel liegt also in der Selbstorientierung, nicht an den eigenen Vorteil, sondern an den Vorteil der anderen denken.

Im professionellen Umfeld kann das Bewusstsein dieser Formel die Beziehung Kunde & Lieferant massiv beeinflussen. Vor allem die Vertrautheit fehlt heute an vielen Orten und man hat immer den Eindruck, der andere sei auf den eigenen Vorteil aus und ziehe einem über den Tisch. Der Lieferant wird zum Partner, wenn er die Formel instinktiv anwendet.

Mehr zu diesem Thema im Buch „The Trusted Advisor“ im nächsten Buchtipp.

Kann übrigens auch in Beziehungen angewendet werden? Und wie siehts aus?

Bruno

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Kaizen, der langsame Fortschritt?

Kaizen ist japanisch und heisst Veränderung zum Besseren gemäss Wikipedia. Kaizen ist ein Management Konzept, das Toyota zur Perfektion gemacht hat. Kaizen orientiert sich nicht am Ergebnis, sondern am Weg, am Prozess das Ergebnis zu erreichen. Dabei wird der Prozess kontinuierlich, laufend ständig, verbessert mit dem Nebeneffekt, das das Ergebis besser wird. Swiss Airlines wendet das Prinzip seit etwa 2 Jahren an und das ist sicher eines der Erfolgsrezepte, das sie wieder auf einen grünen Zweig gebracht hat.

Der Nachteil bei Kaizen ist, die Verbesserungsschritte sind teilweise so klein, das sie gar nicht wahrgenommen werden und daher nicht Publicity trächtig sind. Neues fliesst langsam ein, und Wechsel von heute auf morgen gibt es nicht. Ruhe kehrt ein. Für das Management heisst das Geduld üben, viele kleine Schritte und nicht mir der grossen Kelle anrühren. Es heisst auch Understatement und Zurückhaltung in vielen Bereichen. Man wird nicht mehr Helden.

Kaizen kann jeder für sich auch anwenden, indem man die Kleinigkeiten des täglichen Lebens verbessert. Ich lese und berarbeite Mails in immer grösseren Abständen, wenn ich sofort von minütlich zu halbtäglich wechsle, geht es nicht. Wenn ich mir vornehme die Mails weniger häufig abzurufen und mit immer grösseren Intervallen arbeite, lerne ich langsam mit weniger Unterbrüchen zu arbeiten. Es braucht Disziplin und Geduld, aber es geht. Vielleicht realisiere ich es gar nicht, wenn ich mehr Zeit für wichtigeres habe.

Einfach mal ausprobieren.

Schönen Wochenende

Bruno

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